karen russo collage klein

PUBLIKATION Karen Russo Haus Atlantis

- ab jetzt über die Künstlerhäuser Worpswede e.V. für 24 Euro unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! bestellbar

Die Publikation Karen Russo – Haus Atlantis wurde von den Künstlerhäusern Worpswede e.V. herausgegeben. Redaktion: Arie Hartog; Gestaltung: Paul Gangloff; Autoren: Katharina Groth, Sarah E. James, Tom Morton; Textkorrektur: Volker Schwennen, Mirjam Verhey, Arie Hartog; Übersetzung: Good & Cheap Art Translators, Berlin; Auflage: 500; ISBN: 978-3-9821046-0-7 Initiiert hat das Buchprojekt Tim Voss (ehemaliger Leiter der Künstlerhäuser Worpswede) anlässlich der Ausstellung über Bernhard Hoetger in der Großen Kunstschau, Worpswede, 19 Juni – 23 Oktober 2016 und im Anschluss an Karen Russo‘s Aufenthalt in den Künstlerhäuser Worpswede.

Das Projekt zeigte exemplarisch, was in Worpswede möglich ist, wenn die Museen und die Künstlerhäuser zusammenarbeiten. Zudem hat die zeitgenössische künstlerische Perspektive von Karen Russo die Wahrnehmung von Hoetger in Worpswede verändert. Sie zeigt deutlich, dass in seiner Kunst die prinzipielle  Kompatibilität von Expressionismus und Nationalsozialismus sichtbar wird.

 

Haus Atlantis wurde möglich durch die großzügige Unterstützung von Stiftung Kunstfonds und Artis New York. Die israelische Künstlerin Karen Russo (1974) hat sich als Gast der Künstlerhäuser Worpswede in Bremen und Worpswede mit dem expressionistischen Bildhauer und Architekten Bernhard Hoetger (1874–1949) beschäftigt, woraus einige Arbeiten entstanden, die neben neueren Werken jetzt auch im Tel Aviv Museum of Art in einer Einzelausstellung gezeigt werden.


Karen Russo untersucht in ihren Filmprojekten „TET-Stadt“ und „Haus Atlantis“ die fließenden Übergänge zwischen Esoterik und Nationalsozialismus bei Bernhard Hoetger. Indem sie seine Architektur mit historischen Filmaufnahmen und Science-Fiction verbindet, macht sie die Faszination dieser Kunst sichtbar und bleibt gleichzeitig auf Distanz zu seinen Inhalten.

Haus Atlantis (2016) betrachtet die Geschichte eines seltsamen expressionistischen Gebäudes, das 1931 von Hoetger zusammen mit dem Geschäftsmann und Kunstmäzen Ludwig Roselius entworfen wurde, um „das Selbstwertgefühl des deutschen Volkes wiederherzustellen.“ Das Gebäude, das als kulturelle Institution dienen sollte und Roselius Sammlung prähistorischer Artefakte beherbergt, verband nordische Mythologie und pseudowissenschaftliche futuristische Architektur zu einer Verkörperung der rassischen Vormachtstellung. Russos Film zeigt die prächtigen Innenräume, einschließlich der blauen Glasdecke und der Wendeltreppe, sowie Archivmaterialien und Bilder des Gebäudes in seinem jetzigen Zustand, das heute als Hotel fungiert. Die Arbeit präsentiert die Geschichte des Gebäudes als eine archäologische Science-Fiction-Erzählung und bringt grundlegende Zweifel an Ideologien, utopischen Visionen und Überzeugungen zum Ausdruck.

TED-Stadt (2016) ist eine Reise, die in einem Modell einer alten Stadt im ägyptischen Stil gedreht wurde. Die Stadt wurde 1917 von Hoetger für den deutschen Kekshersteller Hermann Bahlsen geplant, der zum Wohle seiner Mitarbeiter eine Stadt bauen wollte. Das ursprüngliche Modell der Stadt ging verloren und Russo hat es anhand von Architekturplänen und Fotografien rekonstruiert. Mit Russos Filmmaterial verwoben sind Aufnahmen aus Anton Kutters Propagandafilm "Deutsche gegen Pharaonen" von 1939, in dem vorgeschlagen wurde, dass die Pyramiden tatsächlich von germanischem Design seien. Eine verlassene Geisterstadt entfaltet sich, die Kamera wandert durch Straßen, monumentale Gebäude und Pyramiden, begleitet von einem elektronischen Soundtrack der Musikerin Binya Reches. Die von dem Amsterdamer Designer Paul Gangloff gestaltete Publikation dokumentiert die Filmprojekte und die Arbeitsweise der Künstlerin.