DEEN
×

PSYCHO MATERIALISM

17/10 —19/10 2014

Schedule and Abstracts eng/dt

Worpsweder Spekulationen #1:
Psycho-Materialism – Ein Symposion im Teufelsmoor

Eingeladen von Tim Voss und Kerstin Stakemeier.

mit Beiträgen von Kerstin Brätsch/Debo Eilers, Helmut Draxler, Johnny Golding, Anja Kirschner, Benjamin Noys, Johannes Paul Raether, Juliane Rebentisch und Kerstin Stakemeier. Special Guests: Klasse Michaela Melián (HfbK Hamburg) mit der Ausstellung "MOOR MOOR MOOR" in den Martin Kausche-Ateliers.

Die finanzialisierte Krise des globalen Kapitalismus ließ die brutalen Gegensätze die die Lebensrealitäten in unseren Gesellschaften bestimmen in den Vordergrund treten - und das nicht nur im Moment ihres Ausbruchs 2008, sondern ebenso in ihrem Einsickern in die Normalität seither. Nicht die Ideologie eines gemeinsamen Fortschritts scheint das Paradigma der Gegenwart zu sein, sondern ihre offen ausagierte Ungleichzeitigkeit. Eine Ungleichzeitigkeit, die sich ebenso durch unterschiedliche geografische Regionen zieht, wie durch Arbeitsfelder, durch Techniken, durch Medien, durch Geschlechter, durch gesellschaftliche Gruppen und durch Einzelsubjekte. Dieser Zustand eines stabilisierten Zerfalls produziert Bilder, Formen und Materialien, die die Aussicht auf Kluften, Irrationalismen, Restbestände und unabgeschlossene Modelle freigeben, die der Moderne ebenso angehören wie der Postmoderne, der Gegenwart ebenso wie ihren Vergangenheiten: ein Panorama ohne Ausblick und ein Panorama mit unendlich vielen Ausblicken.

Vor dem Hintergrund dieser Gegenwart hat sich in den letzten Jahren eine neuerliche Diskussion um die Frage des Materialismus entwickelt. Ein Materialismus, der nicht zuvorderst nach der Systematik eines anderen Fortschritts sucht, sondern nach einem Universalismus der die Eigenheiten der Bruchstellen, der mitgeschleiften Archaismen und stetig (re)produzierten Missverhältnissen verbinden kann. Ein Materialismus in dem den Eigenheitendes Materials eine neue Wichtigkeit zukommt, in dem Dinge und Menschen, Belebtes und Unbelebtes gleichermaßen zu aktiven Posten einer divergenten Gegenwart werden, deren Zusammenhalt negativ ist, deren Zusammenhalt Krise ist. Doch auch die Debatten um diese so krisenhafte Materialismen weichen in unterschiedlichen Diskursen und Wissenschaften extrem voneinander ab: der Neue Materialismus in der politischen Theorie und der Spekulative Realismus philosophischer Debatten, scheinen mit ihren ontologischen Grundannahmen mit neueren künstlerischen Auseinandersetzungen mit der digitalen Verfasstheit aller noch so modernistischen Materialitäten in der Gegenwart kaum vereinbar zu sein. Es ist jedoch genau dieses abwesende Verbindung, die im Kern unseres Interesses liegt. Es sind die Risse der Individuierung, ihre aktualisierten Materialitäten und die Bruchstellen eben der Subjektform, die sich hier in der Krise befindet, mit denen wir uns auseinandersetzen wollen.

Tim Voss, Initiator der "Kolonie", einem Projekt der Künstlerhäuser Worpswede, hat die Kunstgeschichtlerin und Theoretikerin Kerstin Stakemeier eingeladen, gemeinsam ein dreitägiges internationales Symposium in Worpswede einzuladen, die diese divergenten Diskussionen anhand einer Schnittstelle zusammenziehen will: wir wollen die Materialitäten des zerklüfteten Subjekts dieser Gegenwart ins Zentrum ziehen. Auf dem englisch-sprachigen Symposion wollen wir „Psycho-Materialism“ in Form von Einführungen, Vorträgen, Workshops, Screenings und Performances diskutieren. Was bestimmt die Individuierung inmitten des Krisenpanoramas? Was ist der Psycho-Materialism des Jetzt? Was wurde aus der „psychophysiologischen Entfremdung“ (Gilbert Simondon) der Menschen im Kapitalismus? Mit insgesamt zehn internationalen Teilnehmer_innen wollen wir die menschliche Seite der materialistischen Krisengleichung diskutieren.

Worpswede, ehemalige Künstlerkolonie, landschaftlich eher spärlich an umgebenen Materialien, und mit einem offenen Horizont zum Teufelsmoor, bietet uns das passende Ambiente, eine Konferenz zum Psycho-Materialism digitaler Krisenzeiten im Schützenverein Worpswede und in einer ehemaligen Scheune zu veranstalten. Als Special Guest wird die Klasse von Michaela Melián der HfbK Hamburg eine Installation in den Martin Kausche-Ateliers eröffnen. Also ein gemeinsames Wochenende mit Ausstellung, Vorträgen, Diskussionen, Workshops, Rahmenprogramm und Vollverpflegung für kleines Geld.

Kommt in die Kolonie, go Psycho with us!

Das Symposion wird zu einer kleinen Publikation führen. Ein Lesebuch, dass eine Transkriptionen der Gespräche, Arbeitsgruppen und Panel-Diskussionen des Wochenendes, sowie Beiträge der teilnehmenden KünstlerInnen beinhaltet.

17.-19.10.2014 Psycho Materialism / Ein Symposion im Teufelsmoor
First day in Worpswede Schützenverein: Juliane Rebentisch
Second day in the Bötjer´sche Scheune: Helmut Draxler
Johnny Golding and Johannes Paul Raether / Schwarmwesen
Anja Kirschner and Benjamin Noys
KAYA (Debo Eilers & Kerstin Brätsch) and Kerstin Stakemeier
Ratsdiele Worpswede